Warum Styling uns bremst – und Produktdesign & Investitionsgüterdesign Zukunft bauen.
1. Ein kurzer Blick auf das eigentliche Problem
Industrieunternehmen sprechen gern von Innovation.
Aber erstaunlich oft geht es dabei um neue Linien, neue Oberflächen, neue Farben.
Styling – nicht Substanz.
Das funktioniert kurzfristig, aber es hat eine Nebenwirkung:
Es verstellt den Blick auf die Entscheidungen, die langfristig über Wertschöpfung entscheiden.
Drei Designbereiche liegen dabei oft im selben Topf, obwohl sie komplett unterschiedlich wirken:
- Styling
- Produktdesign
- Investitionsgüterdesign
Wer sie verwechselt, trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit die falschen Prioritäten.
Für Unternehmen ist das teuer.
Für Kund:innen ist es frustrierend.
Für die Zukunftsfähigkeit ist es manchmal gefährlich.
2. Styling – der schnelle Reiz, der zu oft zum strategischen Ersatzprogramm wird
Styling erzeugt Aufmerksamkeit.
Es verführt. Es inszeniert. Und es schafft künstliche Neuheiten, wo technisch nichts Neues passiert.
Es ist ein legitimes Werkzeug.
Aber es ist kein Ersatz für Produktentwicklung.
Gerade Industrieunternehmen laufen Gefahr, Styling für Innovation zu halten.
Das sieht man in jeder Branche: Automobil, Haushaltsgeräte, Elektronik, Konsumgüter.
Die Mechanik ist immer dieselbe:
Neue Linien, neues Modell, neue Jahreszahl – und das Vorjahresprodukt wirkt sofort veraltet.
Styling stimuliert Märkte.
Aber es verbessert keine Produktionszeit, keine Bedienlogik, keine Sicherheit, keine Nachhaltigkeit.
3. Produktdesign – leise, aber mächtig
Produktdesign macht Produkte nicht nur schön, sondern besser.
Und das oft genau dort, wo Kund:innen es nicht sofort sehen: im Alltag, im Gebrauch, im Lebenszyklus.
Es wirkt auf:
- Ergonomie
- Langlebigkeit
- Reparierbarkeit
- Materialeinsatz
- Fertigungsprozesse
- Nachhaltigkeit
- logische Bedienung ohne Handbuch
Es ist das Gegenteil von Design als Kosmetik.
Es ist Design als Qualitätsverstärker.
Produktdesign reduziert Supportaufwand, Retouren, Beschwerden, Schulungen.
Es macht Produkte verständlich, ohne Lautstärke.
Und darum bekommt es im Marketing oft weniger Rampenlicht als Styling – obwohl es die Wertschöpfung trägt.
4. Investitionsgüterdesign – der unterschätzte Hebel moderner Industrie
Hier wird es richtig spannend.
Denn Investitionsgüterdesign ist kein ästhetisches Extra.
Es ist ein strategischer Produktivitätshebel.
Bei Maschinen, Anlagen, medizinischen Geräten, Produktionslinien gilt:
Design ist Bedienbarkeit.
Design ist Sicherheit.
Design ist Wartungszugang.
Design ist Prozessqualität.
Design ist Vertrauen in die Maschine.
Eine schlecht gestaltete Maschine kostet Unternehmen:
- Zeit
- Ausschuss
- Schulungsaufwand
- Servicekosten
- Prozessstabilität
Eine gut gestaltete Maschine kann all das verbessern, ohne dass ein einziger Sensor getauscht wurde.
Investitionsgüterdesign ist der Punkt, an dem sich Industrieprodukte von „funktioniert“ zu „überzeugt“ bewegen.
5. Warum der Begriff „Design“ neu sortiert werden muss
Viele Unternehmen benutzen „Design“ als universelles Wort.
Das führt zu zwei Problemen:
- Styling wird überschätzt.
Weil es sichtbar ist. - Produktdesign wird unterschätzt.
Weil es still arbeitet. - Investitionsgüterdesign wird ignoriert.
Weil es nicht „schön“ aussehen soll, sondern „funktionieren“.
Das Ergebnis ist oft eine Schieflage:
- Produkte wirken modern, aber sie sind nicht modern.
- Maschinen sind technisch brillant, aber menschlich und funktional schwer benutzbar.
- Nachhaltigkeit wird postuliert, aber nicht konstruktiv entwickelt.
Kurz:
Wir lösen die falschen Probleme – und wundern uns über stagnierende Kundenzufriedenheit.
6. Ein Vorschlag für Führungskräfte: Design als Führungsinstrument
Statt zu fragen:
„Wie soll unser neues Produkt aussehen?“
sollte die Frage lauten:
„Welche Wirkung soll dieses Produkt haben?“
Design ist Wirkung.
Nicht Optik.
Ein paar Leitfragen, die Unternehmen sofort schärfen:
- Wo zahlt Design auf Effizienz ein?
- Welche Aufgabe erfüllt Gestaltung – kommunikativ, ergonomisch, technisch, wirtschaftlich?
- Wo unterscheiden wir heute nicht klar genug zwischen Styling, Nutzen und Prozessqualität?
- Wie machen wir Design messbar, statt nur diskutierbar?
Wer hier präziser denkt, trifft bessere Entscheidungen – und spart unnötige Schleifen in der Entwicklung.
7. Das Bild dazu: Ein Blueprint erklärt die ganze Geschichte
Du hast es vielleicht schon in der Animation gesehen:
Links Fantasie.
Mitte Gebrauch.
Rechts Wertschöpfung.
Die Zeichnung baut sich auf, wie sich Produktentwicklung aufbauen sollte:
erst alle Optionen,
dann die relevante Funktion,
dann die konkrete Maschine.
8. Fazit: Design ist ein Werkzeug. Und ein Versprechen.
Styling inspiriert.
Produktdesign verbessert.
Investitionsgüterdesign transformiert.
Wer diese drei Ebenen trennt, gewinnt Klarheit.
Wer sie gezielt einsetzt, gewinnt Zukunft.
Design ist nie nur Form.
Design ist eine Entscheidung.
Und eine Chance, Produkte so zu entwickeln, dass sie sich nicht nur verkaufen —
sondern wirken.
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