Designstudie | pr-ide | 2017
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine gesellschaftliche Frage besonders deutlich machen.
Wer Pfandflaschen im öffentlichen Raum entsorgt, wirft nicht einfach nur eine leere Flasche weg. Er entsorgt zugleich einen kleinen Geldbetrag. Für andere Menschen kann genau dieser Betrag von Bedeutung sein.
Pfandflaschen gehören deshalb längst zum Stadtbild – ebenso wie Menschen, die öffentliche Abfallbehälter nach ihnen durchsuchen. Eine Situation, die nicht nur unhygienisch ist, sondern auch eine Frage der Würde aufwirft.
Eine einfache Beobachtung. Eine gestalterische Antwort.
2017 haben wir bei pr-ide den Pfandstifter entworfen – ein Konzept, das die Weitergabe von Pfandflaschen im öffentlichen Raum einfacher und selbstverständlicher machen soll.
Die Idee: Pfandflaschen und -dosen müssen nicht im Abfallbehälter verschwinden. Stattdessen können sie in einer eigens dafür vorgesehenen Halterung außen am Behälter abgestellt werden. Sichtbar, erreichbar und ohne dass jemand im Müll suchen muss.
Ein kleiner Eingriff in ein bestehendes System, der das Verhalten der Menschen verändern kann.
Gestaltung ist mehr als Formgebung
Bei der Entwicklung ging es uns nicht allein darum, einen zusätzlichen Behälter zu gestalten.
Es ging um die Frage, wie sich eine soziale Geste durch Produktgestaltung unterstützen lässt.
Der Pfandstifter soll keine neue Infrastruktur erfordern, sondern sich in die vorhandene Stadtmöblierung integrieren lassen. Die eigenständige Form und Farbgebung machen die Funktion erkennbar und unterscheiden sie deutlich vom eigentlichen Abfallbehälter.
Dabei ist die Bedienung denkbar einfach: Wer eine Pfandflasche abgeben möchte, stellt sie ab. Wer sie mitnehmen möchte, kann sie entnehmen.
Ohne Erklärung, ohne technische Hürden, ohne zusätzliche Interaktion.
Design kann Armut nicht beseitigen. Aber es kann den Umgang miteinander verändern.
Natürlich löst ein Pfandstifter keine sozialen Probleme. Er verändert weder Einkommensverhältnisse noch die Ursachen dafür, dass Menschen auf das Sammeln von Pfand angewiesen sind.
Aber er kann eine konkrete Alltagssituation verbessern.
Und er macht etwas sichtbar, das uns als Designer wichtig ist: Produkte beeinflussen nicht nur, wie wir Dinge benutzen. Sie beeinflussen auch, wie wir miteinander umgehen.
Eine Idee von 2017 – und heute?
Fast zehn Jahre später ist die Frage unverändert aktuell: Wie können wir den öffentlichen Raum so gestalten, dass er unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird?
Der Pfandstifter ist für uns ein Beispiel dafür, dass Innovation nicht zwangsläufig aus komplexer Technologie entstehen muss.
Manchmal reicht es, eine bekannte Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und eine einfache, funktionale Antwort darauf zu entwickeln.
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